In dem folgenden Indiegame geht es in erster Linie um Trauerbewältigung und darum, wie nicht nur die Eltern, sondern gleich ein ganzes Dorf damit umgeht. Es geht um Entfremdung und Zusammenhalt.
Wenn eine Person stirbt, hat das immer eine Auswirkung´auf andere Personen. In erster Linie auf die Eltern, die Kinder oder nahe Verwandte. In Closer the Distance verstirbt die Tochter des Bauern bei einem Unfall. Doch ausgerechnet sie war die Person, die die Dorfbewohner zusammengehalten hat. Und nun hören wir ihre Seele und versuchen, ihr dies gleichzutun.

Die zusätzliche Tragik besteht außerdem darin, dass das Dorf nur kurze Zeit zuvor bereits einen Todesfall zu betrauern hatte. Nach und nach lernt man im Spiel Closer the Distance die einzelnen Dorfbewohner kennen. Wir erfahren ihre Geschichte und müssen uns um ihre Wünsche und Bedürfnisse kümmern. Das ist jedoch gar nicht so leicht, da man nicht immer direkt auf die Wünsche der Leute Einfluss üben kann.

Die Entscheidungen, die wir in diesem Indiegame treffen, beeinflussen mehr oder weniger drastisch den Verlauf der Geschichte. Im Laufe der Zeit kann man immer mehr Leute steuern, bis man am Ende 5 Personen gleichzeitg „steuern“ kann. Ich habe das Wort deswegen in Anführungszeichen geschrieben, da es anfangs noch gut funktioniert, die Personen in eine gewisse Richtung zu lenken, jedoch etwa ab der Mitte des Spiels wird dies mitunter sehr schwer. So kann man irgendwann nicht mehr die „Befehle“ an den Dorfbewohner geben, die man jetzt erledigt haben möchte, weil entweder 5 wichtige Ereignisse gleichzeitig anderswo stattfinden (dann MUSS man zu dem Ereignis springen und darf nicht erst beenden, was man gerade begonnen hat) oder die Leute sich einfach weigern, indem Anweisungen ausgegraut sind (aktuell nicht machbar) oder man u.U. eine lange Zeit warten muss, bis man diese ausführen kann.
Wie bereits erwähnt, erscheinen kleine rote Ausrufezeichen, sobald ein wichtiges Ereignis (Gespräch oder Situation) stattfindet. Das ist grundsätzlich eine super Idee, da man so keine wichtigen Dinge verpasst, jedoch kann es auch sehr nervig sein, weil man so seine aktuelle „Tat“ nicht weiter ausführen kann.

Ein kleines Beispiel (ohne Bezug zum Inhalt):
Person A rettet von Person B die Katze. Person B war immer mürrisch, ist aber nun zutiefst dankbar und läd Person A zum Kaffee ein. Person A möchte dies nutzen, um sie um einen Gefallen zu bitten.
Normalerweise würde man nun anklicken „Mit Person B über das Thema sprechen“ oder sowas. Leider kann man dies nicht, wenn zeitgleich ein Ausrufezeichen irgendwo auftaucht. Ab diesem Zeitpunkt sind nämlich sämliche Aktionen in unserer aktuell laufenden Geschichte nicht mehr auswählbar (bis alle wichtigen Ereigenisse angeschaut wurden).
Dies hat mich einige Male extrem genervt, da ich dadurch den Anschluß an die aktuelle Geschichte wieder verloren hatte und (im schlimmsten Fall) es plötzlich Abend war und man nichts mehr machen konnte.
Eine zweite Sache, die für mich nicht immer verständlich war, war die Reaktion von einigen (wenigen) Dorfbewohnern. Wenn man einige Stunden alles dafür getan hat, es jedem recht zu machen und allen zu ihren Seelenwohl zu verhelfen, dann frustriert es manchmal, dass die Leute nicht immer so positiv reagieren, wie sie es in dieser Situation tun sollten.
Außerdem gibt es optisch ein paar seltsame Situationen: Zum Beispiel sitzen drei Leute am Eßtisch, essen und gestikulieren dabei. Dann möchte ich, dass zwei Personen miteinander sprechen. Dafür steht dann die eine Person auf, stellt sich neben die zweite Person, diese steht nun ebenfalls auf, sie sprechen und dann setzen sich alle wieder hin. Diese Situation war einfach so surreal.

ABER das soll es auch mit den negativen Punkten gewesen sein, denn ich kann das Indiegame „Closer the Distance“ wirklich jedem nur empfehlen! Man spürt förmlich die Liebe, mit denen die einzelnen Charaktere gemacht werden: wie sich ihre Eigenschaften an ihre Optik anpassen, ja sogar wie die Zimmer bzw Häuser der einzelnen Personen eingeräumt sind, ist alles sehr stimmig.
Hinzu kommt, dass die deutschen Synchronsprecher eine wirklich gute Leistung bringen! Wenn ich mich nicht irre, habe ich auch zwei Synchronsprecher von The Elder Scrolls Online wiedererkannt?!
Die Geschichte an sich wurde gut geschrieben, auch wenn mich die ein oder andere Reaktion persönlich etwas enttäuscht hat und ich fand es gut, wie der „bekannte, unbekannte Fremde“ zum Ende hin noch etwas frischen Wind ins Dorf gebracht hat.
Die Spielzeit liegt bei Closer the Distance, je nach Spielart, bei etwa 8-10 Stunden, um einen Durchlauf zu spielen. Da man allerdings bedingt Einfluss auf das Schicksal der Dorfbewohner nehmen kann, bietet sich ein zweiter Durchlauf nahezu an, um tatsächlich alle täglichen Herausforderungen zu meistern.
Wer meine Review nun nochmal in videoform anschauen möchte, kann dies hier tun:
Wer sich lieber ein Let’s Play zum Spiel anschauen möchte, kann dies hier tun:
Wenn ihr jedoch Lust bekommen habt, das Spiel selbst zu spielen, dann könnt ihr es über Steam holen.
Spieledetails im Überblick:
Spielname: Closer the Distance
Entwickler: Osmotic Studios
Publisher: Skybound Games
Veröffentlichung: 02.08.2024
Genre: Simulation
Entwickelt für: PC
Erhältlich auf: https://store.steampowered.com/app/1991300/Closer_the_Distance





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